(For the English version please scroll down)
Gestern hatte ich die Freude, in den Genuss einer weiteren französischen Eigenart zu kommen - nein, ich spreche nicht von den Streiks, darüber werde ich ein anderes Mal berichten - sondern die Ankunft des neuen Beaujolais, was unter den Grenoblois (oder wie auch immer man die Einwohner hier nennt) und den restlichen Bewohnern der Region Rhone-Alpes etwas gemischte Gefühle hervorzurufen scheint.
Beaujolais ist ein Weingebiet nördlich von Lyon, das zwar Teil des Burgund ist, aber einer anderen Weinsorte entspricht (genau nachzulesen auf Wikipedia:) Jedes Jahr ist der 3. Donnerstag im November der Tag an dem der Beaujolais nouveau erstmals verkauft werden darf. Dies ist für die Leute aus der Gegend fast eine Art von Feiertag. Letzte Woche schon hat eine Freundin nebenbei erwähnt, dass sie dieses Wochenende zu Hause bleibt, weil der neue Beaujolais herauskommt und sie sich den Stress nicht antun will. Ohne die geringste Ahnung wovon sie spricht (wie so oft seit dem ich in Frankreich bin) habe ich dazu nur wissend genickt (wie so oft seit dem ich in Frankreich bin), ohne der Bemerkung weiter Beachtung zu schenken (wie so oft seit ich hier in Frankreich bin). Gestern platzte dann plötzlich meine Kollegin mitten im größten Stress freudig heraus "Oh, heute kommt der neue Beaujolais" und sah mich voller Erwartung an. Da ich bis dahin nicht einmal wusste, dass es sich dabei um einen Wein handelt, habe ich vorsichtig nachgefragt und eine detaillierte Antwort lies nicht lange auf sich warten: "Na der Beaujolais nouveau 2010". Alles klar. Um dem Mysterium auf den Grund zu gehen verbrachte ich dann meine Mittagspause - immerhin sind mir ja 2 Stunden vergönnt - recherchierend im Internet. Nach der Arbeit wurde ich dann gleich mit in die nächste Bar genommen, in der bereits sämtliche Flaschen des neuen Beaujolais aufgereit bereit standen, damit ich als Ausländerin auch zu dem Vergnügen komme. Nachdem ich nicht gerade der grosse Weinkenner bin - ich trinke Wesswein ganz gerne ,aber kenne mich nicht aus - hatte ich keine Ahnung wie er schmecken sollte. Schliesslich wurde ich von meiner Kollegin und dem Barmann gefragt wie ich ihn finde und ich meinte er sei nicht schlecht. Was ich wirklich so fand, denn ich bin nicht so der Rotwein-Fan und dieser schmeckte nicht so bitter. Ausserdem wollte ich höflich sein! Darauf hin meinten beide, Barmann und Kollegin leicht abschätzig "Ah, man merkt dass du Deutsch bist. Il est dégulasse" - Er schmeckt eckelhaft (ein Lieblingswort der Franzosen). Beide tranken aber seelenruhig weiter. Auf dem Nachhauseweg bekam ich eine Sms von meiner Mitbewohnerin, dass sie heute bei uns einen Soiree Beaujoulais veranstaltet, also Leute eingeladen hat, um den Wein zu probieren. Als gute Mitbewohnerin bin ich natürlcih noch schnell in den Supermarkt und habe eine Flasche mitgenommen. Anscheinend hatte ich Glück denn sie meinte, mittlerweile wird der nach 19 Uhr nicht mehr verkauft, da es in den letzten Jahren etwas eskalierte. Ich habe gleich mal wieder recherchiert und bin dabei auf einen Artikel von 2005 gestoßen (ich füge ihn bei, für die die Französisch können) in dem steht, dass man in der Innenstadt Jugendlichen und Studente betrunkend durch die Straßen torkeln sehen konnte die "Wir wollen mehr Wein" sangen und sich mit den Polizisten anlegten wobei es sogar zu Verletzten kam. Letztendlich war aber alles nicht so schlimm, denn der Artikel endete mit der frohen Botschaft, dass diesmal überhaupt kein Auto angezündet wurde. Ich kam allerdings nicht umhin, einen leicht entäuschten Unterton daraus zu entnehmen:
Wir dagegen trotzten der Tradition und tranken gemütlich zu Hause, wir fanden es entschieden zu kalt um durch die Straßen zu torkeln. Ausserdem schmeckte der Beaujolais wie gesagt auch viel zu "degeulasse", wie alle wiederholt feststellten:)
ENGLISH:
Wir dagegen trotzten der Tradition und tranken gemütlich zu Hause, wir fanden es entschieden zu kalt um durch die Straßen zu torkeln. Ausserdem schmeckte der Beaujolais wie gesagt auch viel zu "degeulasse", wie alle wiederholt feststellten:)
ENGLISH:
Yesterday, I unexpectantly got to be part of yet another interesting French tradition – no I am not referring to strikes – but to Beaujolais Day, the official sales release of the local wine, an event that seems to be equally feared and anticipated by the
„Grenoblois“ (which is how the inhabitants here are called, at least I think so).
But first things first. Located to the east of the rather big city Lyon, Beaujolais is a wine region bordering on the renowned Burgundy wine region without actually being a part of it. Every year, the 3rd Thursday in November marks the day when the latest Beaujolais enters the market, an event that seems to put people in quite a festive mood.
I remember a friend mentioning that she was going to stay at home at the weekend due to Beaujolais Day because she doesn´t want to put up with all the fuss. Without the slightest idea what she was talking about, I only nodded knowingly, not giving this remark any more thought (This has become somewhat of a habit of mine ever since I came to this country – at some point you get tired of always asking why and how).
A day later in the office I was abruptly pulled out of a state of deep concentration when my colleague suddenly burst out: „Oh, today it´s Beaujolais Day“, looking at me expectantly. Having successfully ignored this issue up to that point, I thought this might be the moment of enlightenment and carefully inquired what a Beaujolais actually is. A detailed answer followed right away: „Well, the Beaujolais 2010!“ Right.
In order to find out more about this mysterious day, I rushed home in my lunch break and googled it. No, I´m not a freak, I just happen to have two hours for lunch and once you have eaten and taken a nap there is still enough time left to go on the internet – long live the 35 hour –weeks.
Anyway, much the wiser I went back to work and after work my colleague asked me to go to a bar with her and try some. I didnt find it too bad, given that I´m usually not one for redwine, so I said I quite liked the fact that this one isnt too strong and bitter yet. The bar man´s comment to this was"oh well, your German" and my colleague´s very comment "Íl est degeulasse" - it´s disgusting or it tastes horrible - one of the most used words in French. Nevertheless, both of them kept on drinking. When I got home, my flatmate had invited some friends over to celebrate this event in style: eventually we had quite the collection of Beaujolais bottles going. Throughout the evening everyone assured my how "degeulasse" the wine was. When I woke up the next morning, all bottles were empty:)


Anyway, much the wiser I went back to work and after work my colleague asked me to go to a bar with her and try some. I didnt find it too bad, given that I´m usually not one for redwine, so I said I quite liked the fact that this one isnt too strong and bitter yet. The bar man´s comment to this was"oh well, your German" and my colleague´s very comment "Íl est degeulasse" - it´s disgusting or it tastes horrible - one of the most used words in French. Nevertheless, both of them kept on drinking. When I got home, my flatmate had invited some friends over to celebrate this event in style: eventually we had quite the collection of Beaujolais bottles going. Throughout the evening everyone assured my how "degeulasse" the wine was. When I woke up the next morning, all bottles were empty:)
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